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Fortsetzung der Chronik
 

Auszüge aus alten Protokollbüchern:

Die erste Eintragung in dem ältesten noch vorhandenen Protokollbuch datiert vom 13. November 1839 und befasst sich unter anderem mit dem Rauchen

„Die Direction hat es zu beurtheilen, inwiefern zur Erhaltung des nöthigen Anstandes, und damit das Sängerchor
nicht dadurch geniert werde, das Rauchen während der Gesangübungen und Aufführungen im Concert-Saale
zu gestatten.“

Im Jahre 1868 verfügt die Liedertafel über 17 Sänger. Am 5. August 1868 ist im Protokollbuch verzeichnet:

„In der heutigen Generalversammlung der Liedertafel erklärte Herr Dirigend
G. Morsch, auf das ihm bis jetzt aus der Vereins-Casse gezahlte Salair von
zwanzig Thaler jährlich, vom 1. Januar 1869 ab bis auf weiteres zu verzichten.“

Die Sänger der Liedertafel sind im närrischen Leben in der Stadt stets federführend tätig. Es wurden Kränzchen, bunte Abende bzw. närrische Zusammenkünfte veranstaltet. Der Gründungsvorstand der Großen Karnevalsgesellschaft „ORPHEUM“ im Jahre 1869 bestand vorwiegend aus Liedertäflern. Dies hat sich über die Jahre nicht verändert, wirken doch bis in die heutige Zeit eine große Zahl von Liedertafelmitgliedern als Sänger, Humoristen, Autoren und Bühnentechnikern in der alljährlichen Session erfolgreich mit.

Die Generalversammlung vom 8. März 1896 beschloss, die noch vorhandenen“ Überbleibsel“ des Musikvereins zu verkaufen.
 

 

Großes Bild  

    Die Liedertafel feiert ihr 75-jähriges
    Bestehen mit einem Sängerwettstreit
    vom 12. bis 15. August 1899
    31 Gesangvereine nahmen am Wett-
    streit teil. Der Festzug sah 54 Vereine
    und Abordnungen. Die Bevölkerung
    nahm lebhaft Anteil als Ausdruck des
    Dankes für die immer wieder bewiesene
    Einsatzbereitschaft für die Belange
    der Allgemeinheit auf kulturellem und
    sozialem Gebiet.

 


Liedertafel Dülken, Anno 1899

Im Protokollbuch finden wir unter dem 2. Aug. 1914 die nachstehende Eintragung über eine verhinderte
90-Jahr-Feier:

 „Zur Feier des 90. Stiftungsfestes des Vereins war für den 2. August 1914 ein großes Fest geplant. Doch kam es nicht dazu. Die politischen Wolken am Horizont zogen sich immer mehr zusammen. Der Mord von Sarajewo kam hinzu und als am 30. Juli zur Generalprobe versammelt war, war vom Deutschen Kaiser die Mobilmachung befohlen worden. Es schlich sich in das Herz eines manchen Sängers stille Wehmut ein. Fast ein Drittel aller Sänger nahm an diesem Abend Abschied, um dem Rufe des Kaisers - zu den Waffen - Folge zu leisten. Ungewiss war das Schicksal, dem sie entgegen gingen.“

Erst im Jahre 1919 wurden die Proben wieder aufgenommen, was wie folgt vermerkt wurde:

„Nach Beendigung des für Deutschland so ungünstig verlaufenen Krieges nahm der Verein im Sommer des Jahres 1919 seine Tätigkeit wieder auf. Die belgische Besatzungsbehörde gestattete die Abhaltung von Probeabenden.“

 

Die Liedertafel feiert vom 14. bis 16. Juni 1924 mit 74 aktiven Sängern ihr 100-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass wird ein Gesangwettstreit veranstaltet, an dem sich 18 auswärtige Vereine beteiligen.

 

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Am 9. Juni 1936 verstarb der dienstälteste Sänger in der Vereinsgeschichte der Liedertafel, Herr Josef Weyers. Im Jahre 1850 geboren, war er mit 18 Jahren in die Liedertafel eingetreten und verstarb 86-jährig nach 68 Jahren aktiver Mitgliedschaft.
 
Während des zweiten Weltkrieges 1939 – 1945 waren die Dülkener Männerchöre nicht mehr in der Lage eigene Konzerte durchzuführen, so verfügte die Liedertafel am 31. Dezember 1939 über 39 aktive Mitglieder. Die Liedertafel ergriff die Initiative und schlug den übrigen Männerchören ein Gemeinschaftskonzert vor, an dem jedoch neben der Liedertafel nur der Sängerbund teilnehmen konnte, da die anderen Vereine ihren Probebetrieb kriegsbedingt schon eingestellt hatten.

Das Konzert fand am 14. Januar 1940 im Bürgerhaus statt unter der weiteren Mitwirkung eines Solisten. Der große Erfolg des Konzertes konnte dennoch nicht verhindern, dass auch die Liedertafel Ende 1940 ihren Probebetrieb einstellen musste. 27 Sänger der Liedertafel befanden sich im Kriegsdienst.

Im Jahre 1943 wurde vorübergehend eine Chorgemeinschaft aus Sängern der Liedertafel, des Sängerbundes und des Quartettvereines unter Leitung von Karl Seepe gebildet, die sich nach dem Zusammenbruch des „Dritten Reiches“ wieder auflöste. Der Vereinsvorsitzende Heinrich Büschges richtete am 28. Aug. 1945 einen schriftlichen Appell an alle Sänger der Liedertafel und regte die Wiederaufnahme der Proben an. Der Einladung zu dieser Versammlung am 6. Okt. 1945 ins Lokal Brodermanns folgten 32 Sänger.



Die Nachkriegszeit

Nach Wiederaufnahme der Proben ging es mit der Liedertafel rasch bergauf. Am 17. März 1946 konnte das erste Konzert stattfinden. Es kam daran anschließend zu einer Flut von Neuanmeldungen. Ende 1946 hatte sich der Mitgliederbestand auf mehr als 100 Sänger erhöht. Erkennbar darin war der Wunsch der Menschen sich in das gesellige und kulturelle Leben der Stadt einzugliedern.

Man beschritt neue Wege, und studierte im Jahre 1948 neben dem Männergesang die Operette Winzerliesel ein. Insgesamt 10 mal ging diese Operette über die Bühne vor stets ausverkauftem Bürgerhaus.

Vom 9. bis 11. Juli 1949 feierte die Liedertafel ihr 125-jähriges Bestehen mit Festbankett, Fahnenweihe, Sänger- kundgebung und 2 Festkonzerten unter Mitwirkung von insgesamt 12 Bruderververeinen.

Auf Initiative der Liedertafel wurden Anfang 1951 grenzüberschreitende Kontakte in’s Leben gerufen, die dazu führten, dass am 21. April 1951 im Bürgerhaus Dülken ein Konzert mit dem Männerchor „Vriendenkring St. Rochus“ aus Groenstraat/Niederlande veranstaltet wurde. Schon bald wurde ein Gegenbesuch gestartet, der am 7. Juli 1951 in einer freundschaftlichen Begegnung mit einem Gemeinschaftskonzert auf der Festwiese in Groenstraat vor 1000 Zuhörern stattfand.

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Anfang 1952 übernahm Hermann Hoogen als Protektor des Vereines das Erbe seines Vaters. Bis zum 17. Juni 2000 hatte er dieses Amt inne. Hermann Hoogen zeigte stets großes Interesse an der Entwicklung der Liedertafel, und hatte immer ein offenes Ohr für die Belange des Vereines. Am 6. Juli 2001 verstarb Hermann Hoogen im Alter von 75. Jahren.


Auf der Jahreshauptversammlung am 15. Februar 1964 legte der Vorsitzende Heinrich Büschges nach 29-jähriger Amtszeit aus gesundheitlichen Gründen die Vereinsführung in die Hände seines Nachfolgers Hans Pollmanns. Heinrich Büschges hatte die Liedertafel durch gute und schlechte Zeiten geführt und war damit der Vorsitzende, der auf die längste Amtszeit zurückblicken konnte.
Knapp zwei Monate nach einem erfolgreichen Jubiläumskonzert zum 140 jährigen Bestehen der Liedertafel, bei dem der Schubert-Bund Essen mitwirkte, verstarb Heinrich Büschges unerwartet am 13. Dezember 1964. Er war einer der verdienstvollsten Liedertäfler.


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Im Mai 1967 wagte die Liedertafel sich zu Rundfunkaufnahmen des Westdeutschen Rundfunks Köln (WDR) in die Festhalle Viersen. Da die Premiere überraschend gut und schnell gelang, fuhr man im Oktober 1967 zu einer weiteren Rundfunkaufnahme zum Funkhaus in Köln.

Auf der Jahreshauptversammlung am 21. 3. 1970 übernahm Franz Schwartke den Posten des Vorsitzenden. Er kündigte an, dem Verein neue Impulse geben zu wollen. Zum 31. Oktober 1972 lege Hans Schäfer das Amt des Chorleiters nieder und schlug dem Verein seinen Schwager Edi Riethmacher als Nachfolger vor.
Es war dem Engagement und Elan des Vorsitzenden Franz Schwartke zu verdanken, dass eine Reihe neuer junger Sänger dem Verein beitraten. Zeitgleich bewältigte man am 12. Mai 1973 und 11. Mai 1974 die Stufen I und II zum Meisterchorsingen, und war damit gerüstet für das Bundesleistungssingen in 1975.

Zuvor jedoch stand das Jahr 1974 im Zeichen des 150-jährigen Jubiläums des Vereines.

                     Am 12.10.1974 veranstaltete man gemeinsam mit dem Sängerbund
                     Dülken-Nord und dem Mandolinenorchester „Edelweiß“ Dülken ein
                     Konzert für den „Heimatbund der alten Dülkener“.
                     Am 19.10.1974 folgte ein Abend für die Jugend mit Rock- und Pop-Bands.
                     Am 27.10.1974 folgte das Festkonzert zusammen mit dem Schubertbund
                     aus Essen, bei dem der Präsident des Deutschen Sängerbundes die Festrede
                     hielt. Am 28.10.1974 wirkte die Liedertafel in der St. Cornelius Kirche im
                     Hochamt mit, und legte anschließend am Grabe von Peter Conrad Lang-
                     weiler im Lunapark einen Kranz nieder.
                     Der Verein schloss das Jubiläumsjahr mit einem „Großen Sylvesterball am
                     31.12.1974 ab.

Am 25. Mai 1975 war der Tag der Bewährung gekommen.
52 Sänger fuhren an diesem Morgen mit ihrem jungen Dirigenten Edi Riethmacher nach Gummersbach. Mit großer Nervosität absolvierte die Liedertafel ihre Aufgabe und bestand dank hervorragender Disziplin die Prüfung und erhielt die Benotungen 2,2,1 und 3, und konnte sich damit zukünftig „Meisterchor des Sängerbundes Nordrhein-Westfalen“ nennen
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MGV Liedertafel im Jahre 1975 nach Erlangung des Titels “Meisterchor des Sängerbundes Nordrhein-Westfalen”.

 

USA-Reise

Nachdem dieses Ziel erreicht war, konnte man sich einer anderen langsam schon gereiften Aufgabe stellen: Seit Aug. 1974 „bastelte“ der Vorstand an der Idee, eine Konzertreise durch die USA zu veranstalten. Angestoßen durch unseren ehemaligen Sangesbruder Horst Küster, der im Jahre 1952 nach Amerika ausgewandert war, und dort dem deutschstämmigen „Arion Männerchor, Denver“ angehört, wurde auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 6.11.1975 beschlossen das Vorhaben in der Zeit vom 28.4. bis 12.5.1976 durchzuführen.


Nach den positiven Ergebnissen unserer Meisterchorteilnahme und der Chorreise durch Colorado – USA beschließt der Verein, eine Langspielplatte herauszubringen. 15 Titel werden am 24. und 25. Oktober 1977 in der St. Ulrich Kirche aufgenommen und zum Ende des Jahres 1977 liegt die Ausgabe unter der Bezeichnung „Folklore“ vor.


In der Zeit vom 27.4.1978 bis zum 4.5.1978 unternahmen wir auf Initiative unseres Sangesbruders Antonio Angeli eine Konzertreise zum Coro „Sette Laghi“ (Chor der sieben Seen) nach Varese/Italien.
Unsere Freunde aus Varese revanchierten sich im April 1979 mit einem Gegenbesuch in Dülken (siehe Foto vom Empfang des Bürgermeisters der Stadt Viersen, Hans-Willi Gerke, im alten Rathauskeller in Viersen).

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Besuch von Freunden

Im Juni 1984 besuchten uns unsere amerikanischen Freunde aus Denver gemeinsam mit einem Gesangverein aus Madison/Wisconsin.

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In der Zeit vom 23. bis 26. 6. 1995 kam es zu einem zweiten Besuch der Sänger des „Arion Männerchores Denver“ mit Ihren Ehefrauen, auf ihrer Reise durch Europa.

Im Jahre 1992 suchten wir über den Deutschen Sängerbund Kontakt mit einem Gesangverein aus dem Osten Deutschlands. Wir fanden bei der Chorgemeinschaft Schöneiche 1909 (bei Berlin) Interesse an einem Besuch bei uns, und konnten diesen Chor schon am 17. April 1993 zu einem Frühjahrskonzert im Dülkener Bürgerhaus begrüßen. Die Gegeneinladung erfolgte prompt und so starteten wir zu einer Konzertreise nach Schöneiche und Berlin vom 30. Juni bis 3. Juli 1995.

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Liedertafel beim Konzert in der Schloßkirche Schöneiche

 

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                     Im Alter von 87 Jahren verstarb am 31. Januar 1998
                     nach einem erfüllten Leben unser großer Freund und
                     Förderer, Dr. Ing. habil. Hein Langweiler.

                     Wie seine Vorfahren galt sein Interesse aufgrund der
 traditionellen Verbindung seiner Familie der Entwicklung
und dem Erhalt der Liedertafel. Die Belange des Vereins
waren ihm stets sehr wichtig.



                  
 

                                                       
1999 – das Jahr unseres 175-jährigen Jubiläums
Ein Blick in die Festschrift zu diesem Jubiläum zeigt am besten die positive Resonanz eines solch seltenen Festes. Aus der großen Anzahl der Grußworte und Glückwünsche sei hier nur ein Satz aus dem Geleitwort unseres Chorleiters Edi Riethmacher aufgeführt:
„Die Entwicklung in der Chormusik scheint durch unsere Flexibilität, dem Neuen aufgeschlossen zu sein, ohne das Alte aufzugeben, eine gelungene Synthese zu sein.“


Jubiläumsfeierlichkeiten

30. Mai 1999



18. September 1999

12. Dezember 1999



18. Dezember 1999l

Jubiläumsempfang
im „Alten Waisenhaus“
Festanspruche: Vicepräsidentin des Sängerbundes
Nordrhein-Westfalen, Frau Annemarie Wilke
Festkonzert im Bürgerhaus Dülken
zusammen mit dem Coro „Sette Laghi“ aus Varese/I
Festkonzert in der St.-Cornelius-Pfarrkirche, Dülken
zusammen mit dem Chor und den Solisten des
Rimskij-Korsakov-Konservatoriums aus
St.-Petersburg / Russland
Abendmesse in der St.-Cornelius-Pfarrkirche, Dülken
für die lebenden und verstorbenen Mitglieder
des MGV Musikverein Liedertafel





Im Jahre 2002
unternahmen wir in der Zeit vom 8. 5. bis 12.5. unsere 2. Konzertreise nach Varese/Italien. Diese Reise fand mit 37 Sängern statt, und erstmals fuhren 19 Ehefrauen mit. Die Fahrt erfolgte mit der Bundesbahn. Eine Busfahrt nach Mailand mit Besichtigungen dort, und ein Ausflug zum Lago Maggiore wurden während des Aufenthaltes durchgeführt (siehe zur Reise die ausführliche Schilderung).


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Hier beim Konzert im „Salone ESTENSE“ in Varese


Im Jahre 2007 erfolgte in der Zeit vom 17.5. bis 20.5. eine Konzertreise nach Wartenberg in Bayern, an der 31 Sänger und 23 Ehefrauen teilnahmen. Hier konnten wir zusammen mit dem Männerchor Wartenberg e. V. und dem Kirchenchor Wartenberg ein viel beachtetes Konzert durchführen.